Kohlweißling - Essen teilen und systemisch denken

Manchmal sind es gerade die kleinen Probleme im Garten, durch die wir besonders viel lernen. Diesmal begann es mit einem ziemlich zerfressenen Kohlrabi. Unser erster Verdacht: Schnecken. Doch dann entdeckten wir auf den Blattunterseiten die eigentlichen hungrigen Gäste – Raupen des Kohlweißlings.

Und da war er kurz, dieser vertraute Reflex: Schädling! Weg damit!

Doch wir haben innegehalten und uns eine andere Frage gestellt: Welche Rolle spielt die Kohlweißlingsraupe eigentlich in unserem Garten? Schnell waren wir mitten in einem spannenden Austausch über Nahrungsketten und natürliche Kreisläufe. Denn die Raupen fressen zwar unseren Kohl, sind aber selbst wiederum Nahrung beziehungsweise Wirte für andere Tiere – darunter Singvögel, räuberische Insekten und parasitoide Wespen.

Gemeinsam haben wir deshalb entschieden: Wir möchten künftig nicht nur unsere Ernte, sondern möglichst das ganze System im Blick behalten. Wegen einiger angefressener Kohlrabiblätter oder selbst eines verlorenen Kohlrabis wollen wir nicht gleich in natürliche Kreisläufe eingreifen.

Vielleicht teilen wir unsere Ernte eben ein bisschen. Dafür gewinnen wir etwas anderes: Vielfalt, Beobachtungen und neues Wissen.

Und ganz nebenbei haben die kleinen Raupen noch etwas geschafft: Sie haben uns als Gruppe zusammengebracht und einen richtig wertvollen Austausch angestoßen.

Auch das ist Permakultur: beobachten, Zusammenhänge verstehen und erst dann entscheiden.