GGG: Gold für den Garten und Urlaub für den Spaten
Am Freitag, dem 9. Oktober, hatten wir Glück mit dem Wetter. Es blieb stundenlang trocken! Und das war auch gut so, denn in unserem Gemeinschaftsgarten Gropiusstadt stand wieder einiges auf dem Programm. Diesmal ging es vor allem um etwas, das man auf den ersten Blick kaum sieht: das Leben im Boden.
Bereits früh am Tag wurde unser erster Komposter aufgestellt. Hier soll künftig das „Gold des Gartens“ entstehen: wertvoller, nährstoffreicher Kompost, aus dem sich mit der Zeit fruchtbarer Humus entwickeln kann.
Der Komposter besitzt einen Deckel und einen geschützten Boden, damit sich möglichst keine ungebetenen Gäste wie Ratten oder Mäuse darin einquartieren. Gleichzeitig hat er direkten Kontakt zum Erdreich. So können Regenwürmer und andere nützliche Bodenlebewesen von unten einwandern und fleißig mitarbeiten.
Damit es gleich richtig losgehen kann, haben wir den Inhalt außerdem mit einer Portion gut gereiften Komposts aus einem Schrebergarten „geimpft“. Darin leben bereits unzählige Mikroorganismen, die nun auch in unserem Komposter ihre Arbeit aufnehmen können. Die Voraussetzungen sind also geschaffen!
Besonders schön ist dabei der Gedanke, dass künftig möglichst alles wertvolle Grün, das wir im Garten zurückschneiden oder entfernen, auch im Garten bleibt. Statt Pflanzenreste wegzuwerfen, geben wir sie auf den Kompost, wo sie nach und nach zu wertvollem Humus werden. So schließen wir einen natürlichen Kreislauf: Was heute noch ein abgeschnittener Pflanzenstängel ist, kann morgen schon dazu beitragen, dass neue Pflanzen kräftig wachsen. Unser Garten versorgt sich damit Stück für Stück selbst.
Und dieses Gartengold hat es wirklich in sich! Wussten Sie, dass in einer einzigen Handvoll reifem Kompost Milliarden von winzigen Lebewesen stecken können? Bakterien, Pilze und andere Mikroorganismen sorgen gemeinsam mit größeren Bodenbewohnern dafür, dass aus Pflanzenresten wieder wertvolle Nährstoffe entstehen. In einer Handvoll gesunden Komposts können sogar mehr Mikroorganismen leben als Menschen auf der ganzen Erde. Eine ziemlich beeindruckende Vorstellung!
Damit unsere kleinen Helfer ordentlich arbeiten können, brauchen sie natürlich das richtige Futter. In unseren Kompost gehören beispielsweise Obst- und Gemüsereste, Kaffeesatz, Teeblätter, zerkleinerte Eierschalen, Laub, angetrockneter Rasenschnitt und klein geschnittene Zweige. Auch samenfreie Wildkräuter und kleine Mengen unbehandelter Holzspäne dürfen hinein. Wichtig ist eine gute Mischung aus feuchten, nährstoffreichen und trockenen, strukturgebenden Materialien. Fleisch, Fisch, gekochte Speisereste mit Fett oder Soßen, Plastik und behandeltes Holz bleiben dagegen draußen.
Und dann haben wir noch mit einem weiteren spannenden Vorhaben begonnen: unserem ersten größeren Bodenbeet.
Dafür nutzen wir die sogenannte No-Dig-Methode. Das bedeutet schlicht: Wir graben nicht um!
Statt die vorhandene Grasnarbe mühsam abzutragen oder den Boden mit dem Spaten zu wenden, bedecken wir die Fläche mit möglichst unbedruckter, von Klebeband befreiter Pappe. Darüber kommt eine ordentliche Schicht Kompost.
Die Pappe nimmt dem darunterliegenden Rasen und den Wildkräutern zunächst das Licht. Gleichzeitig wird sie nach und nach von Bodenorganismen zersetzt. Regenwürmer und andere kleine Helfer übernehmen einen großen Teil der Arbeit, während sich darüber eine neue, fruchtbare Schicht entwickelt.
Das hat gleich mehrere Vorteile: Die natürliche Bodenstruktur und die feinen Pilznetzwerke werden geschont, weniger Wildkrautsamen gelangen an die Oberfläche und der Boden kann Feuchtigkeit besser speichern. Und ganz nebenbei ersparen wir uns eine Menge schweißtreibender Spatenarbeit.
Ganz fertig geworden sind wir damit allerdings noch nicht. Uns ist schlichtweg der Kompost ausgegangen! Die noch sichtbare Pappe wird deshalb in den nächsten Tagen ebenfalls mit ausreichend Kompost bedeckt. Schließlich soll hier ein richtig schönes, fruchtbares Beet entstehen.
Im Sinne der Permakultur arbeiten wir also möglichst mit der Natur, statt gegen sie.
Bis das neue Beet vollständig angelegt ist und unser Komposter das erste fertige „Gartengold“ liefert, wird noch etwas Zeit vergehen. Aber genau darum geht es in unserem Gemeinschaftsgarten: Schritt für Schritt etwas aufbauen, Erfahrungen sammeln und beobachten, wie sich alles entwickelt.
Und während wir uns über die neuen Gartenelemente freuen, haben unter unseren Füßen längst Milliarden kleiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Arbeit aufgenommen. Ganz ohne Dienstplan und Gehaltsverhandlungen!
